Seit Viagra 1998 auf den Markt kam, hat es Millionen von Paaren geholfen, wieder ein normales Sexleben zu haben. Ursprünglich wurde Sildenafil zur Behandlung von Herzproblemen entwickelt. Doch wie wurde das Medikament zur blauen Wunderpille?

Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie Viagra zufällig entdeckt wurde und wie es zu einem echten Verkaufsschlager wurde, der für Männer mit ED eine Revolution auslöste.

Die Entdeckung von Viagra

Viagra ist ein Zufallsprodukt. Ebenso wie die Röntgenstrahlen oder auch Penicillin, wurde es nur zufällig entdeckt. Die Geschichte von Viagra beginnt Mitte der 80-er Jahre in England und führt zu einem der größten Erfolge in der Geschichte der Medizin.

Ein Team von Forschern führte im Auftrag des Pharmakonzerns Pfizer klinische Studien zu einem neuen Wirkstoff mit Namen Sildenafil durch. Getestet wurde er im Hinblick auf seine Wirksamkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Arzneimittel sollte den Blutzufluss zum Herzmuskel verbessern und den Blutdruck senken. Doch die Ergebnisse der Studie waren enttäuschend, denn die Verbesserungen fielen nicht wie erhofft aus.

Sildenafil-Formel

Doch die Teilnehmer berichteten von einer anderen interessanten Tatsache. Durch die Einnahme der Tabletten stellten Sie eine verbesserte Erektionsfähigkeit fest. Im weiteren Verlauf wurde offensichtlich, dass Sildenafil die Blutzufuhr zum Penis verbesserte und somit eine Erektion förderte.

Im Verlauf weiterer Untersuchungen stellte sich heraus, dass im Penis eine erhöhte Konzentration des Enzyms PDE-5 vorkommt. Dessen Aufgabe besteht darin, den Botenstoff cGMP abzubauen. Genau dieser Botenstoff ist jedoch für das Zustandekommen der Erektion verantwortlich. In Tests wurde nachgewiesen, dass Sildenafil PDE-5 hemmt, wodurch die Blutzufuhr in den Penis verbessert wurde und es zur Erektion kam.

Was tun wenn Viagra nicht wirkt? Auch in diesem Fall gibt es keinen Grund den Kopf in den Sand zu stecken.

Bei Pfizer erkannte man schnell das Potential von Sildenafil und in den folgenden Jahren wurden über 20 Studien in Auftrag gegeben, an denen 4.500 Männer teilnahmen. Schon während der Studien stellte sich ein überwältigender Erfolg ein und viele Männer waren begeistert über die verbesserte Erektionsfähigkeit.

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) verlieh 1991 Pfizer das Patent für Sildenafil. Weitere jahrelange Tests folgten, bevor es 1998 auf dem Markt zugelassen wurde. Ab nun konnten Männer das verschreibungspflichtige Medikament in der Apotheke kaufen. Pfizer entschied sich für Viagra als Namen. Dieses Kunstwort ist eine Verbindung aus Vigor (lat. Stärke) und den Niagarafällen.

Viagra hat einen entscheidenden Anteil, dass Erektionsprobleme/Impotenz aus der schmuddeligen Ecke herausgerückt wurden und kein Tabuthema mehr waren. Das Medikament wurde in kurzer Zeit in über 120 Ländern vertrieben und wurde regelrecht zum Hype. Zum ersten Mal stand eine einfache Behandlungsmöglichkeit gegen Erektionsstörungen zur Verfügung.

Bisher standen Männern sehr umständliche und riskante Behandlungsmethoden zur Verfügung wie Injektionen in den Penis, Vakuumpumpen oder Operationen, bei denen ein Penisimplantat eingesetzt wurde. Viagra löste eine sexuelle Revolution aus, vergleichbar mit der Antibabypille in den 60-er Jahren.

Das Original von Pfizer

5 Fakten zu Viagra

Verkaufsschlager ab Tag 1

Nach Erteilung des Patents erlangte Sildenafil innerhalb von fünf Jahren die Marktreife. Am 27.März 1998 wurde Viagra in den USA vorgestellt. Was heute normal ist, war damals eine Sensation – eine Erektionspille für Männer. Das angesehene Magazin „Time“ begleitete die Markteinführung mit der großen Titelstory „Die Potenz-Pille“.

Sofort wurde Viagra ein Verkaufsschlager und bescherte Pfizer im Laufe der Jahre Milliardengewinne.

Umsatzbringer Viagra

Man schätzt, das weltweit ca. 150 Millionen Männer an Erektionsproblemen leiden, wobei der größte Anteil der Betroffenen zwischen 40 und 70 Jahren alt ist. Im Durchschnitt liegt der Umsatz mit Viagra bei mehreren Milliarden US-Dollar, wobei der Anteil durch andere PDE-5-Hemmer wie Cialis oder Levitra und generische Alternativen zurückgegangen ist.

In Deutschland werden ca. 2,5 Millionen Packungen jährlich verschrieben, mit einem Umsatz von etwa 62 Millionen Euro.

Der Viagra Effekt

Viagra hatte nicht nur den Effekt eine Erektion zu fördern, sondern das das Problem auch in die Öffentlichkeit kam. Männer fingen an über ihre Probleme zu reden und das Thema Erektionsstörungen wurde aus der Tabu-Ecke geholt.

Es folgte eine Entwicklung, indem Männergesundheit viel mehr in den Fokus rückte. Erektionsprobleme können vielfältige Ursachen haben und auch Anzeichen schwerwiegender Erkrankungen siein.

Studien haben ergeben, dass Männer VOR Viagra oft erst 10 – 20 Jahre nach Auftreten der ersten Erektionsprobleme zum Arzt gingen. NACH Einführung von Viagra waren es maximal sechs Monate.

Vorteile der blauen Wunderpille

Mit Viagra hatten Männer das erste Mal eine einfache Hilfe bei Impotenz. Hatten sie sich vorher (sexuell) zurückgezogen, konnten sie jetzt aktiv etwas dagegen tun. Frauen haben dieses Zurückziehen oft falsch interpretiert und es als Abneigung gedeutet. Doch Männer haben sich aus Scham zurückgezogen, weil sie keine Erektion mehr bekommen haben.

Mit Viagra fanden viele Männer wieder zu einem normalen Sexleben. Mit der blauen Wunderpille konnten sie wieder eine Erektion aufbauen und die Partnerin befriedigen.

Nachteile der blauen Wunderpille

Viagra hatte aber nicht nur positive Auswirkungen auf das Liebesleben von Männern.

Durch die Erektionsstörungen verzichteten viele Paare freiwillig auf Sex. Im Laufe der Zeit nahme die Lust auf Sex ab und man arrangierte sich mit Zärtlichkeiten und Kuscheln.

Durch Viagra waren Männer auf einmal wieder in der Lage Sex zu haben. Frauen fühlten sich auf einmal unter Druck gesetzt wieder „funktionieren“ zu müssen.

Warum ist Viagra rezeptpflichtig?

Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern wie Großbritannien, Irland, Schweiz oder Polen, kann man Viagra in Deutschland nur gegen Vorlage eines Rezeptes kaufen.

Die deutschen Aufsichtsbehörden begründen das damit, dass Sildenafil direkt in den Kreislauf eingreift. Wenn gleichzeitig andere Medikamente, die z.B. Nitrate enthalten, eingenommen werden, kann dies den blutdrucksenkenden Effekt von Viagra verstärken. Das kann ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben. Nur ein Arzt kann eine umfassende Untersuchung und Beurteilung der Lage vornehmen und evtl. Risiken auschließen.

Viagra nach Ablauf des Patents

Pfizer hat sich das Patent für den Wirkstoff Sildenafil sichern lassen. Nach 15 Jahren lief 2013 das Patent aus und das Medikament konnte als Generika hergestellt werden. Generika sind Nachahmer-Produkte, die exakt den gleichen Wirkstoff enthalten.

Ebenso wie das Original-Medikament, muss ein Generika ebenfalls umfangreiche Testverfahren durchlaufen. Die teuren Forschungs- und Entwicklungskosten fallen jedoch weg. Aus diesem Grund werden Generika zu einem niedrigeren Preis als das Original angeboten. Trotzdem unterliegen sie denselben Auflagen und Prüfungen wie die blaue Wunderpille von Pfizer.

Bei der Zulassung muss das Generika eine weitestgehende Übereinstimmung mit dem Original nachweisen. Während der Wirkstoff identisch sein muss, kann es hinsichtlich der Hilfsstoffe Unterschiede geben. In vielen Fällen stellen generische Alternativen eine Verbesserung dar, die oft besser vertragen werden und weniger Nebenwirkungen aufweisen.

Viagra Generika

Quellen

  1. Dr. Roland Schmiedel: Sildenafil-Generika boomen. In: Deutscher Apotheker Verlag GmbH & Co. URL: deutsche-apotheker-zeitung.de (Stand: 09.09.2020)
  2. Diese Medikamente wurden zufällig entdeckt. In: Süddeutscher Verlag. URL: sueddeutsche.de (Stand: 09.09.2020)
  3. Weltweiter Umsatz von Pfizer mit Viagra in den Jahren 2003 bis 2015. In: Statista GmbH. URL: statista.de (Stand: 09.09.2020)
  4. Potenzmittel: Potente Konkurrenz für Pfizer und Viagra. In: Ringier Axel Springer Schweiz AG. URL: handelszeitung.ch (Stand: 09.09.2020)
  5. Prof.Dr.med. Zufall: Aus einem Herzmedikament wurde Viagra. In: Zeit Online GmbH. URL: zeit.de (Stand: 09.09.2020)
Experte & Autor

Online-Redakteur mit einem großen Wissen im Bereich Medizin, Gesundheit sowie Gesundheits-Management. Er hat sein Studium der Wirtschaftslehre an der Universiät Dortmund absolviert und bei unterschiedlichen Unternehmen aus dem Bereich Gesundheit im Raum Düsseldorf über 30 Jahre gearbeitet.
Seit mehr als vier Jahren arbeitet Rainer Hoffmann nun als Berater und Redakteur beim Redaktionsteam der Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung. Rainer Hoffmann sorgt für die Richtigkeit unserer medizinischen Inhalte sowie überwacht und koordiniert sorgfältig die Content Produktion. Des weiteren unterstützt Rainer das Redaktionsteam bei der Beantwortung von komplexen medizinischen Fragestellungen.

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