Vielen Männern ist er unangenehm: Der Besuch beim Urologen. Dabei sind regelmäßige Vorsorgetermine wichtig, um die Gesundheit von Harnwegen sowie Geschlechtsorganen sicherzustellen. Denn nur so können Prostatakrebs und andere Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Auch wenn es sicherlich schönere Momente im Leben gibt – die Bedenken sind meist unbegründet. Aber was genau passiert beim „Männerarzt“?

Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie der Besuch beim Urologen abläuft und welche Untersuchungen Sie erwarten können.

Wann sind urologische Untersuchungen sinnvoll?

Es gibt viele Gründe für einen Besuch beim Urologen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Erektionsprobleme
  • Geschlechtskrankheiten (wie Tripper oder Chlamydieninfektionen)
  • Schmerzen im Lenden- oder Genitalbereich sowie beim Samenerguss
  • Schwellungen, Rötungen oder andere Auffälligkeiten im Intimbereich
  • Probleme beim Wasserlassen (wie ständiger Harndrang)
  • Blasenentzündungen

Aber auch ohne Beschwerden ist es sinnvoll, regelmäßig den Facharzt aufzusuchen. Denn je eher zum Beispiel Veränderungen der Prostata oder Erkrankungen der Harnwege entdeckt werden, desto besser die Erfolgschancen einer Behandlung. Die Besuche beim Urologen sind daher wichtig — das gilt insbesondere mit zunehmendem Alter. Ab 45 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine jährliche Prostatauntersuchung (vorher muss diese selbst gezahlt werden).[1] Zudem empfehlen viele Urologen die Inanspruchnahme Individueller Gesundheitsleistungen (IGeL). [2] Diese gehören nicht zum Leistungskatalog der Krankenkasse, können aber – wenn beispielsweise Tumorerkrankungen im engen Verwandtenkreis bekannt sind – dennoch sinnvoll sein. Am besten Sie lassen sich diesbezüglich von Ihrem behandelnden Arzt beraten.

Urologe vs. Androloge

Der Urologe wird oft als „Männerarzt“ bezeichnet. Das ist jedoch nicht ganz korrekt. Der Facharzt beschäftigt sich mit allen Krankheiten des menschlichen Urogenitaltraktes und kann daher auch von Frauen und Kindern aufgesucht werden. Das männliche Äquivalent zur Frauenärztin (Gynäkologin) ist hingegen der Androloge, der nur auf die Beschwerden im Bereich der männlichen Geschlechtsorgane spezialisiert ist.

Arztgespräch

Urologe, der einen Fragebogen in der Hand hält, bespricht die Untersuchung mit seinem Patienten.Zu Beginn Ihres Besuchs in der urologischen Praxis müssen Sie meist einen Fragebogen ausfüllen. Dieser beinhaltet beispielsweise folgende Punkte:

  • Was ist der Grund des Besuchs? Welche Beschwerden bestehen?
  • Sind Vorerkrankungen (zum Beispiel Nierenerkrankungen) bekannt?
  • Rauchen Sie?
  • Nehmen Sie Medikamente ein und wenn ja, welche?
  • Hatten Sie kürzlich eine Operation?

Der Fragebogen bietet die Grundlage für das nachfolgende Gespräch (Anamnese) mit dem Urologen. Ihre Angaben werden näher besprochen und bei Unklarheiten wird der Arzt speziell nachhaken. Dabei können auch nicht-medizinische Aspekte, zum Beispiel Stress auf der Arbeit, erfasst werden. Dies ermöglicht es dem Mediziner, ein umfassendes Bild von Ihrer gesundheitlichen Situation zu gewinnen.[3].

Körperliche Untersuchung

Die klinische Untersuchung findet in einem speziellen Untersuchungszimmer statt. Patienten können sich hinter einem Sichtschutz „untenherum“ entkleiden. Zunächst betrachtet und befühlt der Mediziner den Unterbauch. Ist dieser stark gewölbt, kann dies beispielsweise auf einen Harnverhalt hindeuten.

Anschließend werden die äußeren Genitalien (Penis, Hoden und Nebenhoden) auf Veränderungen (wie Knoten) untersucht. In vielen Fällen liefert dies dem Mediziner – zusammen mit der Krankengeschichte – schon wichtige Indizien für die Ursache möglicher Beschwerden.

Die Standarduntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs ist die Tastuntersuchung, auch digital-rektale-Untersuchung (DRU) genannt. Für diese legt sich der Mann auf die linke Seite und winkelt die Beine an. So kann der Arzt die Prostata (Vorsteherdrüse) über den Enddarm besonders gut mit seinem Finger erreichen. Der Arzt trägt Gummihandschuhe und verwendet Gleitgel, um seinen Zeigefinger besonders behutsam einzuführen.

Keine Sorge: Die Tastuntersuchung ist kurz unangenehm, aber nicht schmerzhaft — und nach wenigen Minuten auch schon wieder vorbei. Größe, Beschaffenheit und Form der Prostata geben dem Mediziner wichtige Hinweise auf Erkrankungen.

Urintest

Ein weiterer fester Bestandteil der urologischen Diagnose ist der Urintest. Lassen sich bestimmte Substanzen wie Eiweiß, Entzündungszellen oder Bakterien nachweisen, liegt möglicherweise eine Infektion oder andere Art von Erkrankung vor.

Für den standardisierten Harnstreifentest, der wichtige Hinweise für die Diagnose von Nieren- oder Harnwegsinfektionen liefern kann, sollte eine kurz nach dem Aufstehen gewonnene Urinprobe verwendet werden. Ein möglichst unverfälschtes Ergebnis ohne Verunreinigung von Bakterien liefert der „saubere“ Mittelstrahlurin. Hierfür müssen Männer den Strahl nach ein paar Sekunden anhalten und dann den mittleren Anteil des Urins in einem Becher auffangen.

Zur Beurteilung der Urinmenge beziehungsweise der Gesamtmenge an über den Urin ausgeschiedenen Substanzen, weist der Arzt den Patienten aber manchmal auch an, die gesamte Urinmenge eines Tages zu sammeln (24-Stunden-Sammelurin). Das entsprechende Gefäß stellt die Arztpraxis zur Verfügung.

Eine spezielle Urinauswertung ist zudem die 3-Gläser-Probe, die beispielsweise bei Verdacht auf eine Prostataentzündung zum Einsatz kommt.[4] Der Patient muss die Entleerung der Blase in drei Etappen unterteilen und in insgesamt drei Gläser urinieren. Vor der dritten Probe wird eine Prostatamassage durchgeführt, um das Prostatasekret zu gewinnen. Manchmal werden statt 3 Proben auch 4 Proben genommen. In diesem Fall wird der Restharn in einem extra Behälter aufgefangen.

Blutprobe

Auch Blutwerte können dem Urologen wichtige Erkenntnisse liefern. Bei verminderter Zeugungsfähigkeit oder einer Sexualstörung kann beispielsweise eine Abklärung des Hormonhaushaltes sinnvoll sein. Eventuell steckt ein Abfall männlicher Sexualhormone (wie Testosteron) hinter dem Libidoverlust.

Zur Früherkennung von Prostatakrebs wird in der Praxis auch der sogenannte PSA-Test durchgeführt. Hierbei wird das prostataspezifische Antigen (PSA) – ein Enzym, das in der Prostata gebildet wird – gemessen, welches Aufschluss über die Gesundheit der Vorsteherdrüse gibt. Ist der Wert erhöht, kann das auf einen Tumor hindeuten. Allerdings ist diese Untersuchung nicht unumstritten, da die Konzentration beispielsweise auch durch sportliche Betätigungen (wie Radfahren) steigen kann. Daher ist der PSA-Test derzeit auch kein Bestandteil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung.[5] Wer den Test dennoch in Anspruch nehmen möchte, muss zwischen 25 und 35 Euro zahlen.[6]

Ultraschalluntersuchung

Aufgrund der einfachen Anwendung gehört die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) zu den gängigen Diagnoseverfahren, mit denen sich der Urologe — im wahrsten Sinne — ein Bild von inneren Organen wie Nieren, Blase oder Prostata machen kann. Im Gegensatz zu einer Röntgenuntersuchung ist der Patient zudem keinen potenziell gesundheitsschädigenden Strahlen ausgesetzt.

Neben dem klassischen Ultraschallverfahren, bei dem der Schallkopf auf dem Unterbauch platziert wird, kommt zur Untersuchung der Prostata vor allem der transrektale Ultraschall (kurz: TRUS) zum Einsatz. Dieses bildgebende Verfahren kann dabei helfen, einen auffälligen Befund der Tastuntersuchung abzuklären. Dazu wird eine Sonde über den Anus in den Enddarm eingeführt. Das Diagnoseverfahren ist gesundheitlich ungefährlich, verursacht keine Schmerzen und dauert nur wenige Minuten.[7] Falls die Untersuchung nicht zur Abklärung eines auffälligen Befundes (zum Beispiel nach einer Tastuntersuchung), sondern zur Früherkennung durchgeführt wird, müssen die Kosten von etwa 20 bis 60 Euro vom Patienten selbst übernommen werden.[8]

Spermiogramm

Becher mit Ejakulat im Labor zur urologischen Untersuchung (Spermiogramm).Vor allem bei unerfülltem Kinderwunsch wird ein sogenanntes Spermiogramm empfohlen. Dieses gibt Auskunft über Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat (Sperma) des Mannes und somit über seine Zeugungsfähigkeit.

Für die Analyse wird Sperma des Patienten benötigt, dass dieser durch Masturbation gewinnt. Hierfür dürfen sich Männer in einen separaten Raum in der Praxis zurückziehen. Es ist aber auch möglich, die Probe zu Hause zu gewinnen und diese anschließend in die Praxis beziehungsweise das Labor zu bringen. In einigen Fällen werden die Kosten für die Analyse übernommen, erkundigen Sie sich daher am besten bei Ihrer Krankenkasse.

Sonstige Untersuchungen

Je nach Symptomen stehen dem Urologen zudem noch weitere Diagnoseverfahren zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise:

Mithilfe eines speziellen länglichen Instruments (Zystoskop), das in die Harnröhre eingeführt wird, erhält der Mediziner Einblick in Blase und Harnröhre. Dabei ist gleichzeitig eine Gewebeentnahme möglich. Die Untersuchung wird beispielsweise bei Veränderungen der Blase und ihrer Funktion oder Verdacht auf einen Blasentumor angewendet.

Weitere Informationen rund um das Thema Männergesundheit finden Sie auch auf dem Ratgeber Männerurologie  – erstellt durch das Gesundheitsnetzwerk kanyo®.

Quellen

  1. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Prostatakrebs. URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/psa-test-frueherkennung.php (Stand: 19.04.2021).
  2. Urologenportal: Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). URL: https://www.urologenportal.de/patienten/patienteninfo/patientenratgeber/individuelle-gesundheitsleistungen-igel.html (Stand: 19.04.2021).
  3. Gasse, Thomas: Basiswissen Urologie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag. 3. Auflage. 2006. S. 9.
  4. Roth, S. u.a.: Klinische Urologie – Vom Befund zur Therapie. Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag 2001. S. 303.
  5. Onko-Internetportal: Urologische Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung. URL: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/vorsorge-und-frueherkennung/screeninguntersuchung-beim-urologen.html (Stand: 20.04.2021).
  6. Prostata Hilfe Deutschland: PSA-Test – Männer zahlen weiterhin selbst. URL: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/psa-test-selbst-zahlen (Stand: 20.04.2021).
  7. Prostata-Hilfe Deutschland: Transrektaler Ultraschall – so funktioniert TRUS. URL: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/transrektaler-ultraschall-trus (Stand: 20.04.2021).
  8. Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen: IGeL-Monitor: Ultraschall der Prostata zur Krebsfrüherkennung ohne Nutzen-Hinweis. URL: https://www.mds-ev.de/presse/pressemitteilungen/archiv/igel-monitor-ultraschall-der-prostata-zur-krebsfrueherkennung-ohne-nutzen-hinweis.html (Stand: 20.04.2021).
Experte & Autor

Online-Redakteur mit einem großen Wissen im Bereich Medizin, Gesundheit sowie Gesundheits-Management. Er hat sein Studium der Wirtschaftslehre an der Universiät Dortmund absolviert und bei unterschiedlichen Unternehmen aus dem Bereich Gesundheit im Raum Düsseldorf über 30 Jahre gearbeitet.
Seit mehr als vier Jahren arbeitet Rainer Hoffmann nun als Berater und Redakteur beim Redaktionsteam der Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung. Rainer Hoffmann sorgt für die Richtigkeit unserer medizinischen Inhalte sowie überwacht und koordiniert sorgfältig die Content Produktion. Des weiteren unterstützt Rainer das Redaktionsteam bei der Beantwortung von komplexen medizinischen Fragestellungen.

×

Online-Redakteur mit einem großen Wissen im Bereich Medizin, Gesundheit sowie Gesundheits-Management. Er hat sein Studium der Wirtschaftslehre an der Universiät Dortmund absolviert und bei unterschiedlichen Unternehmen aus dem Bereich Gesundheit im Raum Düsseldorf über 30 Jahre gearbeitet.
Seit mehr als vier Jahren arbeitet Rainer Hoffmann nun als Berater und Redakteur beim Redaktionsteam der Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung. Rainer Hoffmann sorgt für die Richtigkeit unserer medizinischen Inhalte sowie überwacht und koordiniert sorgfältig die Content Produktion. Des weiteren unterstützt Rainer das Redaktionsteam bei der Beantwortung von komplexen medizinischen Fragestellungen.

Latest Posts
    The User does not have any posts